Die Auskunftsansprüche eines Erben können auch gerichtlich durchgesetzt werden können.

Im Folgenden werden diese Ansprüche kurz erläutert.

I. Anspruch gegen den Erbschaftsbesitzer nach § 2027 I BGB

Nach § 2027 I, § 260 I BGB ist der Erbschaftsbesitzer verpflichtet gegenüber dem Erben eine Auskunft in Form eines schriftlichen Verzeichnisses zu erteilen. Das Verzeichnis muss bestimmt genug sein, dass dem Erben eine Identifizierung der Gegenstände zweifelsfrei möglich ist. Es muss Auskunft über alles gegenwärtige Aktivvermögen erteilt werden, über alle Gegenstände deren verbleib nicht geklärt werden kann ist außerdem Auskunft zu erteilen.

Weiterhin ist zu beachten, dass die Auskunftspflichten vererbbar sind. Verstirbt der Erbschaftsbesitzer, erlangt dessen Erbe die Auskunftspflicht.

Die Verjährungsfrist des Auskunftsanspruches beträgt nach § 197 I Nr. 2 BGB 30 Jahre, sowie der Anspruch auf Herausgabe nach § 2018 BGB.

II. Anspruch gegen einen sonstigen Besitzer nach § 2027 II BGB

Auskunftspflicht macht sich, wer Gegenstände aus dem Nachlass ohne Erbrechtsanmaßung an sich genommen hat und nun im Besitz der Sachen ist. Es kommt hierbei auch nicht darauf an ob der Besitzer weiß, dass es sich um Gegenstände aus dem Nachlass handelt.

Eine Ausnahme gilt dann, wenn die Sachen vor dem Tod des Erblassers erlangt wurden, denn hier sind die Sachen nicht aus dem Nachlass entfernt worden.

Auch hier muss ein schriftliches Verzeichnis vorgelegt werden.

III. Anspruch gegen den Hausgenossen nach § 2028 BGB

Personen, die zu der Zeit des Erbfalles mit dem Erblasser in einer häuslichen Gemeinschaft lebten, werden als Hausgenossen bezeichnet. Solche Personen sind auch verpflichtet Auskunft an den Erben zu erteilen. Allerdings existiert hier keine Formgebundenheit, ein einfacher Bericht genügt in diesem Fall.

IV. Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten nach § 2314 I BGB

Als Pflichtteilberechtigter hat man keinen Zugang zum Nachlass, denn man ist kein Erbe. Allerdings ist man Auskunftsberechtigt um so auch seinen Pflichtteil geltend machen zu können. Auch hierbei muss dem Pflichtteilberechtigten ein Bestandsverzeichnis nach § 260 BGB erteilt werden.

V. Auskunftsanspruch zwischen Miterben nach § 2057 BGB

Nach § 2057 BGB ist jeder Miterbe verpflichtet den anderen Erben auf Verlangen Zuwendungen des Erblassers mitzuteilen. Der Umfang ist in § 2050 BGB geregelt. Ein solche Auskunft unterliegt keiner bestimmten Form.

VI. Anspruch des Nacherben nach §§ 2121, 2127 BGB

Dem Vorerben seine Pflicht ist, auf verlangen des Nacherben ein Verzeichnis über alle zur Erbschaft gehörenden Gegenstände zu erteilen. Dieses Verzeichnis ist Formgebunden und muss nach § 2121 I BGB beglaubigt werden.

VII. Auskunftsanspruch gegen den vorläufigen Erben

Der vorläufige Erbe hat eine Herausgabepflicht des Nachlasses nach § 2018 BGB und eine Auskunftspflicht gegenüber den Erben aus §§ 159 I, 681 S.2, 667,666 BGB. Als Vorerbe nimmt dieser die Funktion eines Treuhändlers wahr und muss den endgültigen Erben benachrichtigen, sowie ihm Auskunft erteilen, welche Geschäfte getätigt wurden, die den Nachlass belasten.

VIII. Auskunftsanspruch des Vermächtnisnehmers

Ein Vermächtnisnehmer ist selbst kein Erbe, er hat einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den Erben aus dem Testament des Erblassers. Eine gesetzliche Regelung über einen Auskunftsanspruch existiert nicht, der Anspruch ist allerdings ohne eine Auskunft praktisch nicht durchsetzbar, so hat der Vermächtnisnehmer einen Auskunftsanspruch nach Treu und Glauben (LG Köln, NJW-RR, 90, 13, 14). Der Anspruch auf Auskunft richtet sich hierbei auf die Informationen, die für die Durchsetzung des konkreten Anspruches des Vermächtnisnehmers notwendig erscheinen.

IX. Anspruch gegen den Scheinerben nach § 2362 II BGB

Ein Scheinerbe ist, wer zu Unrecht einen Erbschein erteilt bekommen hat. Gegenüber diesem hat der wahre Erbe ein Auskunftsrecht über die Erbschaftsgegenstände.

X. Auskunftsanspruch gegen den Fiskus nach § 2011 S. 2 BGB

Sofern im Zeitpunkt des Erbfalles kein Verwandter oder ein Ehepartner vorhanden ist, wird der Fiskus gesetzlicher Erbe, nachdem das Nachlassgericht dies festgestellt hat. Hierbei ist zu beachten, dass der Fiskus die Erbschaft nach § 1942 II BGB nicht ausschlagen kann. Von diesem können auch die Nachlassgläubiger Auskunft erlangen nach § 2011 S.2, § 260 BGB.

XI. Anspruch gegen den Testamentsvollstrecker

Nach § 2197 BGB kann ein Testamentsvollstrecker ernannt werden. Dieser erstellt nach seinem Amtseintritt ein Nachlassverzeichnis nach § 2215 BGB und hat den Erben Auskunft darüber zu erteilen.

XII. Anspruch gegen den Nachlassverwalter

Ist es nicht unzweifelhaft, was alles Bestandteil der Erbschaft ist, kann das Nachlassgericht einen Pfleger bestellen. Dieser übernimmt als gesetzlicher Vertreter des Erben eine Fürsorgefunktion nach § 1960 II BGB. Der Nachlasspfleger hat gegenüber den Nachlassgläubigern eine Auskunftspflicht nach § 2012 BGB. Die einzelnen Erben haben ein Anspruch auf Auskunft über den Bestand des Nachlasses in Form eines Verzeichnisses nach §§ 2012 I, 2, 260 BGB.

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